Letzte Ă„nderung: 7. Oktober 2012

Deutscher Studienpreis 2012 für Dr. Martin Hillebrecht

Martin_Hillebrecht Foto Weigelt

Für seine an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin abgeschlossene Dissertation wird Dr. Martin Hillebrecht mit dem Deutschen Studienpreis 2012 ausgezeichnet.

Unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten wird der von der Körber-Stiftung gestiftete Deutsche Studienpreis jährlich an herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchs­wissenschaftler aller Fachrichtungen vergeben, die eine exzellente und innovative Dissertationen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung vorgelegt haben. Martin Hillebrecht erhält den mit 3.000 € dotierten zweiten Preis in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften für seine im Berliner Wissenschafts-Verlag erschienene Arbeit „Aszendentenunterhalt. Eine Kritik der normativen Grundlagen“.

Die interdisziplinäre Arbeit behandelt den bürgerlich-rechtlichen Verwandtenunterhalt in der auf­steigenden Abstammungslinie, insbesondere die Pflicht der Kinder zu Unterhaltsleistungen für ihre alt gewordenen, pflegebedürftigen Eltern. Hillebrecht untersucht die kulturellen, philosophischen und verfassungsrechtlichen Grundlagen des Rechtsinstituts und beleuchtet seine geschichtlichen, gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe. Rechtsdogmatik und Rechtstheorie werden im Hinblick auf den Aszendentenunterhalt entfaltet und zu einem konsistenten Ganzen verbunden. Martin Hillebrecht zeigt auf, dass ausgehend von der gemeinsamen Frage nach einer tragfähigen Rechtfertigung des Elternunterhalt die rechtsethische und die verfassungsrechtliche Prüfung – auf ihren je eigenen Wegen – zum selben Ergebnis gelangen: dem Erfordernis einer Perspektiv­verschie­bung. Der Blick muss sich lösen, weg von der Gemeinschaft der Familie hin zum Individuum in seiner Bedürftigkeit. Fehlt es dagegen – wie derzeit beim Sozialhilferegress für Pflegeleistungen – an einer real manifestierten Bedürftigkeit, so ist einer rechtsethisch verant­wortbaren Begründung des Elternunterhalts ebenso der Boden entzogen wie einer verfassungs­rechtlichen Rechtfertigung des Eingriffs in die Rechte der Unterhaltspflichtigen. Hillebrechts Dissertation, die von Prof. Dr. Reinhard Singer am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Anwaltsrecht, Familienrecht und Rechtssoziologie an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität betreut wurde, leistet somit über die wissenschaftliche Analyse der historischen Genese sowie der kultu­rel­len Wurzeln des Rechtsinstituts hinaus zugleich einen praktischen Beitrag zu einer gerechteren Gesell­schaft.

Martin Hillebrecht ist Regierungsdirektor im Bundesministerium der Finanzen. Er arbeitet und forscht vor allem in den Bereichen Rechtsphilosophie und Rechtstheorie, Familienrecht, Beamten- und Beamtenverfassungsrecht sowie Arbeits- und Sozialrecht.

Die Preisverleihung durch den Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert erfolgt am 6. November 2012 um 19.00 Uhr im Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin.

 

 

 

Foto: Stephan Weigelt